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Ausstellung vom 19. November 2003 bis 11. Januar 2004
Museum Obermünster

Weihnachten in dunklen Zeiten

Mit 400 Besuchern auch am letzten Tag wurde die Ausstellung "Weihnachten in dunklen Zeiten" zu einem vollen Erfolg. Fast 5000 Interessierte sahen im Museum Obermünster die Dokumentation über das Weihnachtsfest in der politischen Propaganda. "Dies ist in vieler Hinsicht ein besonderes Projekt", urteilte das Bündnis für Demokratie und Toleranz mit Sitz in Berlin, das die Ausstellung der Sammlung Rita Breuer als vorbildliche Maßnahme auszeichnete.  

"Ich habe eine Gänsehaut und Tränen in den Augen. Lieber Gott - nie wieder Krieg!" Neben dem Gästebucheintrag dieser Besucherin, Jahrgang 1937, stehen die Worte einer 16jährigen: "Es wäre wichtig, diese Ausstellung noch mehr Jugendlichen zu zeigen. Gegen diesen Nationalsinn und Neonazis!" Die Arbeit von Rita Breuer und ihrer Tochter Judith, die ihre Sammlung zu einer eindrucksvollen Ausstellung aufbereitet haben, kam auch auf Bundesebene zu Ehren. Ihre Aufklärung über "Verführbarkeit und Propaganda am Beispiel Weihnachten" machte die engagierten Frauen zu Preisträgern des Wettbewerbs "Aktiv für Demokratie und Toleranz". Das Bündnis gegen Extremismus und Gewalt, gegründet im Jahr 2000, bündelt alle Kräfte, die sich gegen fremdenfeindliche und antisemitische Bestrebungen wenden und vertritt über 900 Gruppen.
Besondere Anerkennung fand in der Begründung der Jury das Engagement der Sammlerinnen, auf aktuelle Gefahren hinzuweisen. In der Ausstellung "Weihnachten in dunklen Zeiten" blickten sie nicht nur auf das Fest in der politischen Propaganda in den Kriegszeiten des 20. Jahrhunderts. Sie setzten sich auch couragiert mit den Versuchen der Neonazis auseinander, dem Weihnachtsfest heute eine neue arische-völkische-germanische Prägung zu geben. Im Museum Obermünster waren einige erschreckende Exponate zu sehen: neue Bücher, in denen original NSDAP-Propagandamaterial in neuem Gewand publiziert wird und die beim Internetbuchversand mit großem Erfolg verkauft werden.
Das Fest der Feste wurde immer wieder instrumentalisiert, umgedeutet und seiner religiösen Botschaft beraubt. Diese andere Weihnachtsausstellung zeigte vom Handgranatenbaumschmuck des 1. Weltkrieges über Plätzchenmodel in Hakenkreuzform und Jahresendzeitflügelwesen aus DDR-Zeiten bis zu den Gesangbüchern der neuen braunen Weihnachtsmänner die Kontinuität, mit der weihnachtliche Emotionen und das Evangelium zwischen Herrgottswinkel und Hitlerportrait missbraucht wurden und werden. "Von wegen Heilige Nacht", hat Rita Breuer den Begleitkatalog zur Ausstellung überschrieben, erschienen im Ruhr-Verlag.
Weihnachten in dunklen Zeiten auch in Ostbayern: Die Volkskundlerinnen Esther Gajek und Christine Oßwald ergänzten die Sammlung mit einer Regensburger Spurensuche, mit Berichten von Zeitzeugen, Zeitungsartikeln und Dokumenten. Die Berichterstattung der Kriegsjahre lässt die Stimmung jener Zeit wieder erschreckend lebendig werden. So verkündeten die braunen Weihnachtsmänner im Anzeiger vom 24. Dezember 1940: "Unsere Weihnachtsparole: Sieg!" Fünf Jahre später hieß es: "Hat je zu einer anderen Stunde der Geschichte unser Volk dieser Weihnachtsbotschaft vom Frieden auf Erden so sehnsuchtsbang entgegengeharrt als in unseren Tagen?" Die Präsentation von den kleinen Zeugnissen der einmal groß gedachten Geschichte, veranstaltet von den Katholischen Bildungswerken Regensburg-Stadt und -Land, dem Diözesanmuseum und dem Staatlichen Schulamt, unter der Schirmherrschaft von Regierungspräsident Wilhelm Weidinger lief sieben Wochen im Museum Obermünster. Mehr als 70 Schulklassen informierten sich vor Ort.

 

 
19.1.44
Hier ist vor einigen Tagen auch die
Soldaten-Weihnachtsfeier gewesen.
Da konnte man sehen, dass nur noch Unsinn bleibt,
wenn man den Sinn des Weihnachtsfestes verbiegen will,
und hier suchte man wieder aus dem
christlichen Weihnachtsfest
ein Fest der alten Germanen zu machen, die dieses Fest
der Liebe und Freude und des Lichtes gefeiert hätten.
Man sprach von den Märchen der Kinderzeit,
wo uns der Friede so oft genannt worden wäre,
der leider sich als etwas Unerfüllbares erwiesen hätte.
Und in den Gedichten vollends war die Rede von der Nacht,
in der wir sitzen,
und von dem Licht, das doch auch mal kommen müsste (...)"

OGefr. Willi F., Kl[oster] Schwarzenfeld

 

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